Kritik zum Konzert vom 18. April 2015


Arpeggione-Konzert: Musik, die trauern kann

Ein starkes und bewegendes Programm wurde im Rittersaal des Palastes Hohenems geboten.


 Mit  keinem  Wort  wurde es erwähnt. Doch jedem und jeder  im Saal  dürfteim Laufe des Abends klar geworden sein, dass dieses Konzert des Kammerorchesters Arpeggione ein Gedenken an das Massaker an den Armeniern durch die Osmanen war, welches sich in diesen Tagen zum 100. Mal jährt. Denn zum ersten Mal in Hohenems dirigiert hat der in Kanada lebende Nurhan Arman, der als Kind armenischer Eltern in Istanbul geboren ist. Und das erste Werk im Programm war die Suite des 2012 im 92. Lebensjahr gestorbenen Armeniers Alexander Arutjunjan.  Diese  Sinfonietta für Streicher ist ein vitales Stück Musik, das sich in einer frei verwendeten Tonalität bewegt. Einen besonderen Sinn scheint der auch im Sowjetregime geschätzte Arutjunjan für die Klangfarben der einzelnen Instrumente zu haben, die er gekonnt einsetzt.


Langjähriger Freund

Für das zweite Stück des Abends betrat ein langjähriger Freund des Orchesters die Bühne. Der ukrainische Pianist Konstantin Lifschitz hatte als 17-Jähriger mit seiner Einspielung von Bachs „Goldberg-Variationen“ die Musikwelt in Erstaunen versetzt. Mit dem Arpeggione- Orchester stand Mozarts Klavierkonzert in B-Dur KV 450 auf dem Programm. Stilsicher begann Lifschitz nach dem Orchestervorspiel seinen Part mit einer Improvisation, einem sogenannten Eingang, wie überhaupt sein Spiel die Einflüsse der Originalklangbewegung wahrnahm, jedoch auf eine überzeugend eigenständige Art. Das Orchester unter Arman, nun bereichert durch Bläser, nahm diesen Ton wunderschön auf. Den reichen Beifall des vollen Rittersaals belohnte Lif- schitz mit zwei Zugaben. Nach einem Stück von Grieg spielte er Bach, und zwar so gesanglich, fließend und dazu mit einem zutiefst persönlichen Gestus, wie man ihn auch von den derzeit regierenden Tastengöttern nicht hören kann. Dieser Bach hätte allein schon den Besuch des Konzertes ge- lohnt, doch nach der Pause lieferte das Orchester allein noch zwei grandiose und tiefbewegende Stücke.


Berührend

Wieder wurde ein Werk eines sowjetischen Komponisten einem der Wiener Klassik gegenübergestellt. Dmitri Schostakowitschs Opus 108, eigentlich ein Streichquartett, erklang hier durch das Streichorchester. Energetisch dirigiert durch Nurhan Arman und sauber und ausdrucksvoll gespielt vom Arpeggione-Orchester, vermochte es mit seinen starken Motiven zu berühren.


So erlebte man eine Musik, die mit jedem Ton eine Botschaft vermittelte, ohne sich aufzudrängen. Ähnliches ereignete sich bei den aufwühlenden Klängen von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 44 in fis-Moll, genannt „Trauersinfonie“, die ebenfalls auf die Hörer und Hörerinnen eine spürbar starke Wirkung hatte. Das Arpeggione-Orchester Hohenems hat somit gezeigt, wie feinsinnig und zugleich eindringlich man durch Musik auf historische und politische Geschehnisse hinweisen kann.

 

Neue, Anna Mika

 

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