Kritik zum Konzert vom 23. Mai 2015

 

 

Auf Augenhöhe mit dem Profi

Das Geigentalent Elisso Gogibedaschwili debütierte glänzend mit Arpeggione

 

HOHENEMS. Im Rittersaal des Palastes feierte das Publikum am Samstagabend die fantastische Doppelbegabung Kristóf Baráti aus Ungarn an Violine und Pult und die erst 15-jährige Geigensolistin Elisso Gogibedaschwili, die bei dem von ihrem Vater gegründeten und kuratierten multinationalen Kammerorchester Arpeggione bravourös debütierte. Ein Engagement, aus dem man nicht den Hauch einer väterlichen Bevorzugung erkennen kann, auch wenn dies naheliegend scheint. Weil Tochter Elisso auch kein „Wunderkind“ ist oder sein will, sondern bereits eine junge Künstlerpersönlichkeit von einer Reife ist, wie man sie ihrem Alter niemals zutrauen würde. Das wurde zuletzt bei internationalen Konzertautritten u. a. in Jerusalem

und Toronto von Kritik und Publikum jubelnd bestätigt. Dabei ist Elisso, aus der Musikerehe des Georgiers Irakli mit der Japanerin Cecilia, eine echte „Luschnouare“ geblieben, die seit sechs Jahren jeden Samstag unverdrossen mit ihrem Vater zum Unterricht bei Josef Rissin in Karlsruhe fährt. Von nichts kommt eben nichts.

 

Im Land ist Elissos Auftritt vom November 2013 in Lustenau gemeinsam mit den Münchner Symphonikern und dem Violinkonzert von Sibelius noch in bester Erinnerung. Diesmal hat sie es mit zwei Doppelkonzerten scheinbar leichter, bei denen sie gemeinsam mit dem geigenden Dirigenten Kristóf Baráti jeweils die zweite Solostimme spielt. Doch der Schein trügt. Schon in Bachs berühmtem d-Moll-Konzert kommt es für einen ausgewogenen Gesamteindruck sehr auf die Gleichwertigkeit der beiden sich kontrapunktisch umschlingenden Solostimmen an, und da kann Elisso auf Augenhöhe mit dem abgebrühten Pro an ihrer Seite durchaus bestehen.

 

Überschäumende Musikalität

Schon an ihrer äußeren Haltung, der eleganten Bogenführung wird das Besondere dieses überragenden Talents mit Zukunft offenbar: ihre überschäumende Musikalität, bei der die Unbeschwertheit der Jugend bereits in geordnete Bahnen gelenkt wurde, ihr abgerundeter Ton in allen Lagen und die unglaubliche Sicherheit und Sauberkeit, mit der sie in Bachs Klangkosmos eintaucht. Zum Sahnehäubchen des Abends wird ein Gustostückchen aus der Sparte virtuoser Salonmusik, Pablo de Sarasates „Navarra“, gespickt mit etwas Schmalz und allen denkbaren technischen Erfordernissen für die beiden Solisten. Elisso kann auch hier glänzend mithalten, spielt perfekt und unbeirrt die eine Terz tiefer parallel geführte zweite Stimme. Mit selbstverständlicher Gelassenheit nimmt sie die Ovationen des Publikums entgegen.

 

Spätestens hier ist auch das Arpeggione-Orchester hervorzuheben, das nach intensiver Vorbereitung und mehreren Konzerten im Vorfeld hörbar gut im Schuss ist, mit silbrigem Glanz, spielfreudig, ausgewogen. Dazu kommt ein hoher Grad an Präzision, obwohl die Musiker den gesamten ersten Programmteil quasi allein, ohne den als Geiger beschäftigten Dirigenten spielen. Zwischen den Doppelkonzerten verkörpert er solo im weniger bekannten frühen d-Moll-Konzert von Mendelssohn-Bartholdy geigerisches Ausnahmeformat von verblüffender Kunstfertigkeit. Auf gleicher Höhe ist Baráti auch als Dirigent einzustufen. Am Beispiel von Mozarts viel strapazierter g-Moll- Symphonie Nr. 40, die man gerade zuletzt mehrfach in Vorarlberg gehört hat, demonstriert er seine ausgeprägte Art, diese Musik zu begreifen und zu vermitteln. Da wird alles sehr klar gelöst, dynamisch, mit Temperament und Charme, wo notwendig aber auch mit dem nötigen harten Zugri , wenn es gilt, Akzente und Dissonanzen zu unterstreichen. Das Orchester geht absolut konzentriert diesen Weg mit, entwickelt einen transparenten Mozartklang und macht diese Symphonie zu einem weiteren Höhepunkt des Abends. Auf solchem Level kann man im Sommer eine längere Amerika-

Tournee antreten.

 

Vorarlberger Nachrichten, Fritz Jurmann

 

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