VN-Kritik zum Konzert vom 15. März 2014

Fulminante Geigerin zum Auftakt

Glanzvoller Beginn der neuen „Arpeggione“-Saison in Hohenems.

 

„Frühlingserwachen“ stand als Motto über dem Auftakt-Konzert der neuen Abo-Saison 2014 des Hohenemser Kammerorchesters im Rittersaal.

 

Auf dem Programm standen populäre Werke von Schubert, Pablo de Sarasate und Joseph Haydn. Der jugendliche Star des Abends war zweifellos die umjubelte japanische, in Deutschland lebende Geigerin Tianwa Yang. Sie brillierte mit zwei Werken des spanischen Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate (1844–1908). Als Gast am Dirigentenpult stand der Portugiese Mario Mateus, ein älterer Herr mit langer Konzerterfahrung, eher bedächtiger Gestik und ohne Pultallüren seriös nur den Komponisten dienend. Das zitierte „Frühlingserwachen“ wollte sich bei Schuberts Jugendwerk des Jahres 1811, der Ouvertüre für Streichorchester in c-Moll, obwohl delikat gespielt, noch nicht einstellen. Allzu düster und erfüllt von Trauerschmerz klingt nämlich das frühe, kurze Opus des Wiener Meisters.

 

Tianwa, ein Geigenwunder

 

Die aparte Japanerin Tianwa Yang betrat sodann das Podium des Rittersaals und provozierte mit zwei virtuosen Werken von Pablo de Sarasate Begeisterungsstürme. Zu Recht, die schon weltweit musizierende Künstlerin (die in Kassel auch unterrichtet) spielte auf ihrer kostbaren Violine Guarneri del Gesu 1730 die Konzertfantasie für Violine und Orchester über Mozarts „Zauberlöte“, op. 54, und den Konzertsaalhit der „Zigeunerweisen“. Yang besitzt eine phänomenale Technik, kann aber auch mit innig empfundenen Kantilenen begeistern. „Arpeggione“ begleitete unter dem Dirigat von Mateus die Solistin sehr exakt. Die Konzertfantasie über die schönsten Arien aus der „Zauberlöte“ erklangen wie eine Perlenkette des Wohllauts – Höhepunkte etwa Paminas Klage, Papagenos Mädchen-Wunsch oder die iebrige Rasanz des Monostatos Finales ... Und dass die für ihre Sarasate-Einspielungen ausgezeichnete Tianwa Yang eines ihrer Leibstücke, die populären „Zigeunerweisen“, mit singulärer Meisterschaft in den Rittersaal sandte, war geradezu selbstverständlich. Als Zugabe wählte Yang ein ebenso virtuoses Stück des belgischen Meistergeigers Eugène Ysaÿe (1858-1931).

 

Der fröhliche „Papa“ Haydn

 

Nach der Pause kam noch Joseph Haydn zu Wort, und zwar spielte „Arpeggione“ seine Symphonie Nr. 83, g-Moll (1785), „La Poule“ (Die Henne). Mateus zelebrierte besonders genüsslich die immer wieder aufblitzenden Pointen des generell fröhlichen Wiener Klassikers, so gleich im ersten Satz die lautlichen Assoziationen mit gackernden Hennen (Beiname!). Aber unvergesslich wird Tianwas Kunst auf der Guarneri bleiben …

 

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