VN-Kritik zum Konzert vom 16. März 2013

Arpeggione im „alla turca“-Fieber

Foto: Jurmann
Foto: Jurmann

Maestro Rengim Gökmen verpasste dem Orchester einen Qualitätsschub.

 

Zum Start der neuen Konzertsaison war das Kammerorchester Arpeggio ne fest in türkischer Hand: mit dem Dirigenten und der Klaviersolistin, die das Orchester zu Höchstleistungen inspirierten, und einem Drittel des Programms. Zudem gab aus diesem Anlass auch der türkische Generalkonsul in Vorarlberg, Ayhan Enginar, einen Empfang für die knapp 300 Besucher. Alles „alla turca“!

 

Ein Orchester ist immer nur so gut wie sein Dirigent. Diese alte Musikerweisheit bewahrheitet sich am Samstag im Rittersaal des Palastes, als mit Rengim Gökmen, Chef der Türkischen Nationaloper Ankara, eine exzellente Dirigentenpersönlichkeit ihr Pultdebüt gibt und Arpeggione gleich auf einen selten erlebten Qualitätslevel hochkatapultiert. Das Orchester klingt, ohne personelle Besetzungsänderungen, plötzlich anders, wie man es auch als langjähriger Beobachter kaum gehört hat. Präziser, sauberer, engagierter. So, als ob man eine Milchglasscheibe entfernt hätte. Der energiesprühende Maestro braucht kein Pult und keinen Stab, als er die Streicher-Sinfonietta seines Landsmannes Ulvi Cemal Erkin anstimmt, eines der bedeutendsten türkischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.

 

Die drei Sätze sind tonal gehalten und wirken dennoch absolut aktuell und spannend in ihrer Komplexität und Rhythmik, die an Bartók erinnern, mit melodischen Einflüssen aus der türkischen Volksmusik.

 

Die Streicher sind so kompakt wie kaum zuvor, dynamisch, klangschön. Gar so ungewohnt, wie es das Konzertmotto „Fremd – Vertraut“ uns weismachen will, sind solche Klänge in einer Zeit der auch musikalisch globalen Vernetzung natürlich nicht. Umso mehr stimmt der zweite Teil, wo Kurator Irakli Gogibedaschwili wirklich zu zwei absoluten Konzertsaal-Lieblingen der Klassik gegriffen hat.

 

Da ist zunächst Haydns populärstes Klavierkonzert D-Dur mit dem übermütigen „Rondo all’Ungarese“. Die türkisch-zypriotische Pianistin Rüya Taner bezwingt den Solopart mit Brillanz und Eleganz, liebt zwar die große Geste mit den Armen, bleibt aber sonst erfreulich sachlich, gibt dem ausdrucksvollen Adagio die notwendige Poesie, tritt im Finale in einen quirligen Dialog mit dem Orchester. Und zeigt in der Zugabe einer Liszt-Bearbeitung von Schumanns „Widmung“ auch ihre Virtuosität.

 

Wunderbare Symbiose

 

Dirigent Gökmen achtet bei alledem auf größte Präzision, was jedoch nie die künstlerische Bewegungsfreiheit der Erzmusikanten dieses Orchesters einschränkt. Das ergibt bei der Symphonie Nr. 29 in A-Dur, einem Geniestreich des 18-jährigen Mozart, eine wunderbare Symbiose, motiviert durch Klarheit und Lebendigkeit des Dirigats, den klugen Geschmack, mit dem er stimmige, nie überhastete Tempi wählt. Von Anfang an entwickelt sich ein stimmig runder Mozartklang, aus dem nur die sehr sicheren Oboen und Hörner etwas zu aufdringlich herausstechen.

 

Der voll besetzte Saal quittiert solch außergewöhnliche Leistungen mit Jubel, erhält als typisch österreichische Zugabe noch die „Pizzicato“-Polka von Strauss. Und hofft zusammen mit dem Rezensenten auf eine erneute Einladung dieses Dirigenten!

 

Fritz Jurmann/VN

 

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