VN-Kritik zum Konzert vom 21. September 2013

Arpeggione zeigte ein Programm von großer Vielfalt, dem das Publikum interessiert folgte.

Das Publikum wurde beim Arpeggione-Konzert am Samstag im Rittersaal ebenso auf eine abenteuerliche Reise durch Stile und musikalische Modetrends geschickt wie die Musiker. Irakli Gogibedaschwili als künstlerischer Leiter besitzt den Wagemut, aber auch das Gespür, was er beiden zutrauen darf, damit am Ende auch aus einer heterogenen Mischung von Klassik, Moderne und Salonmusik noch ein erfolgreicher Abend wird. Vor allem, wenn mit Alexander Rudin ein so erfahrener Musiker am Pult steht.

 

Die Haydn-Symphonie Nr. 85 am Beginn, wenn auch nicht vom Komponisten selber „La Reine“, „Die Königin“, benannt, ist ein sonniges Werk, aber noch nicht das Gelbe vom Ei und hätte noch etwas Feinschliff vertragen. Ein Glücksgriff ist mit der Wahl von Bohuslav Martinús Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Soloklavier und Pauken (1938) gelungen, einem in seiner urwüchsigen Kraft und Rhythmik umwerfenden, aber nicht leicht zu handhabenden Standardwerk der Moderne. Trotz seiner Bedeutung wird es in Konzertsälen vernachlässigt.

 

Hans-Udo Kreuels imponierte

Hier gelingen dem mit energetischer Klarheit agierenden Dirigenten im Mit- und Gegeneinander der beiden exzellent aufspielenden Streichergruppen faszinierende Klangwirkungen in einer aufgeraut polytonalen und expressionistisch gefärbten Tonsprache. Der Feldkircher Pianist Hans-Udo Kreuels kommt dem schwierigen Klavierpart imponierend bei, technisch und klanglich fein ausgehört, doch ist sein Spiel bei fast geschlossenem Flügel in den Tuttistellen kaum zu hören. Wolfgang Wehinger ist der verlässliche Paukensolist.

Im zweiten Teil wird der Abend mit gleich drei Solostücken für Violoncello seinem Motto „Cellissimo“ endlich gerecht. Mit dem Schweizer Orfeo Mandozzi hat man eine sprühend lebendige Musikerpersönlichkeit als Solisten verpflichtet. Er zeigt seine hoch entwickelte Kunst des Legatospiels, der Virtuosität und der großen Geste am Instrument an zwei Cellokonzerten des niederländischen Komponisten und Cellisten Daniel Van Goens (1858–1904), für die das Orchestermaterial eigens in Philadelphia aufgetrieben werden musste. Die beiden hochromantischen Werke mit französischen Einflüssen unterscheiden sich grundlegend voneinander. Nr. 1 a-Moll ist ein kluges, eher verhaltenes und melodiöses Werk von stark emotionaler Wirkung. Die Nr. 2 d-Moll in erweiterter Orchesterbesetzung dagegen klingt eher banal in der Wahl der Themen, oberflächlich plakativ und schwülstig.

 

Anklang beim Publikum

Beim Publikum findet diese Musik, auch wenn sie völlig unbekannt ist, sofort Anklang. Ebenso wie die abschließende Serenade für zwei Celli und Orchester von Alfredo Piatti, bei der Dirigent Alexander Rudin für den zweiten Solopart zu seinem angestammten Instrument greift und das Orchester vom Solocello aus leitet. Mehr als ein herzergreifendes Stück Salonmusik mit zwei sonor singenden Celli kommt dabei aber nicht heraus.

 

Fritz Jurmann, VN

 

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