VN-Kritik zum Konzert vom 12. Juli 2014

Ein „Open Air“ in der Pfarrkirche

„Arpeggione“ zeigte sich trotz Wetter kapriolen von seiner besten Seite.Es war zum Verzweifeln. Drei Flughäfen hatte Organisator Josef Kloiber um eine Wettervorhersage gebeten, bevor er das traditionelle Open Air des Kammerorchesters „Arpeggione“ infolge der umfangreichen Aufbauten bereits am Freitag vom Palasthof in die Kirche St. Karl verlegte. Am Samstagabend war es dann, allen Prognosen zum Trotz, klar, warm und regenfrei.

Geärgert hat sich wohl kaum jemand, denn die 400 Besucher werden für diese Wetterkapriolen mit einem Traumkonzert belohnt, bei dem sich „Arpeggione“ wieder einmal von seiner allerbesten Seite zeigt und virtuos zwischen einer spannenden Uraufführung und einer erfüllten Beethoven-„Pastorale“ pendelt. Als Zentralfigur glänzt der mit allen Wassern gewaschene Chefdirigent Robert Bokor, der seine Musiker kennt und sie in jeder Phase mit sicherem Instinkt und bewusst großen, überdeutlichen Bewegungen führt, um auch angesichts der überakustischen Verhältnisse in der Kirche möglichste Präzision und Differenzierung zu erzielen.


Am Puls der Zeit

Dies gelingt, nach einer kurzen Einhörphase für Musiker und Publikum mit Schuberts Ouvertüre im italienischen Stil, bei der folgenden Uraufführung nur bedingt. Das Doppelkonzert „Magyar“ für zwei Violinen und Orchester des israelischen Geigers Ittai Shapira (die VN berichteten) liegt am Puls der Zeit und erfordert in seiner Farbigkeit mit viel Blech, Percussion und Klavier und seinem stark emotional geprägten Verlauf gewaltige Ausbrüche, die bei diesen räumlichen Verhältnissen jedoch oft im diffusen Hall ertrinken. Zudem krankt das auf der Tradition der Roma und Sinti aufgebaute Werk, in dem allzu viele Einfälle, Zitate und Elemente von Folk bis Hip Hop gut instrumentiert verarbeitet sind, an einer gewissen Zerrissenheit – es fehlt, bei vielen schönen Einzelstellen und interessanten Effekten, oftmals die durchgängige Linie. Vielleicht mag aber auch gerade dies ein Stilmittel sein für die Probleme dieser Minderheit. Eine genauere Beurteilung des Werkes wird über die bereits vorab produzierte CD möglich sein, die zunächst in Promotion-Exemplaren verlost wurde und im August offiziell erscheint. Unbestritten ist Shapiras Meisterschaft als Geiger, die er zusammen mit seinem ebenso fantastischen Landsmann Hagai Shaham solo und im engen Dialog mit dem Orchester lustvoll auslebt, in klaren Konturen, mit silbrigem Ton und schwereloser Durchsichtigkeit.


Klangsinnlich und illustrativ

Zum wirklichen Ereignis in der Region wird dann Beethovens Symphonie Nr. 6, die so naturverbundene „Pastorale“. Selten zuvor gab es bei uns eine so inspirierte, lebendige und natürliche Aufführung dieses unvergänglichen Werkes. Dabei sind nun auch alle akustischen Probleme wie mit einem Schlag weggewischt, Maestro Bokor ist mit jeder Faser seines Herzens und Verstandes dabei, gestaltet klangsinnlich und illustrativ. Natürlich hätte man gerne erlebt, wie die echten Vögel im Palasthof wie üblich etwa ins Ende des zweiten Satzes mit seinen Vogelimitationen einstimmen, aber es hat nicht sollen sein. Und so erfreut man sich neben den satten, sauberen Streichern mit der russischen Konzertmeisterin Maria Azova und dem vollmundigen Blech vor allem an den exponierten Holzbläser-Soli. Hossein Samieian, Flöte, Adrian Buzak, Oboe, Caroline Inderbitzen, Klarinette, Teimuras Buchnikashvili, Fagott, und Zoltan Holb, Horn, krönen die Aufführung als exquisite „Vogelschar“ und im Tanz der Landleute. Das „Gewitter“ wirkt aus heutiger Sicht wie Theaterdonner, der bukolische Hirtengesang legt am Ende so etwas wie ein romantisches Licht über diese Aufführung und macht sie damit vollends zur Galavorstellung. Die Zuhörer sind hingerissen.

 

Von Fritz Jurmann

 

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